INNER WALK

Mein Erleben und Erfahren der vergangenen vier Tage.

Wenn ich jetzt zurückblicke beobachte ich, wie eine innere Kraft, die mit einem Magneten vergleichbar ist, mich in das Hier und Jetzt zurück zieht. Denn das ist es, was das Gehen bei mir bewirkt hat. Gelöst, fröhlich und entspannt sein.

Sei hier, bringe deinen Fokus auf das einfache Sein, das Wahrnehmen des Ist-Zustands. Beobachte vielleicht deinen Atem. Du kannst das Empfinden deines Körpers und die Wellen deines Geistes wahrnehmen.

Welche Auswirkungen hat das Denken auf den Körper, auf die Emotionen, auf das Sein..
Gedankenströme, die uns meist so unbewusst durchfluten und mitreißen, ohne dass wir uns dieser bewusst sind. Sie übernehmen die Macht über unser Empfinden und beeinflussen unser Handeln.
Reaktionen geschehen einfach, sie kommen in unterschiedlichster Form aus uns heraus. Sei es durch spontanes reagieren auf die Außenwelt oder uns selbst.

Wer kennt das nicht, dass wir Dinge sagen, über die wir uns im Nachhinein ärgern, oder wir uns mit anderen vergleichen und dann minderwertig fühlen, oder uns selbst oder unseren Körper kritisieren..
Hier sind wir dann bei der Selbstkritik oder dem Selbstzweifel der uns krank machen kann.

Was bin ich also in den letzten Tagen alles durchgegangen.. Im wahrsten Sinne des Wortes..

Für ein besseres Verständnis erläutere ich zuerst einmal die Technik.
Stelle dir eine Beton-Plattform mit der Breite von 15 Metern vor. (Die Länge ist ungefähr doppelt so lang.)
Du bekommst die Aufgabe von einer Seite zur anderen zu gehen,  umzudrehen und wieder zurück zu gehen. Hin und her, her und hin, in einem gemächlichen, nicht zu schnellen und nicht zu langsamem Tempo. Dein Blick richtet sich in etwa 4 Meter vor dir auf den Boden. Und du gehst. Das ist alles. Für vier Stunden. Wenn du eine Pause brauchst kannst du dir diese gerne nehmen. Andere Menschen gehen in ihrem Tempo ihre Bahnen, du nimmst sie war, schenkst ihnen aber keine direkte Aufmerksamkeit, denn du gehst in Stille. Und das für vier Stunden und vier Tage hintereinander.

Vielleicht fragst du dich jetzt wofür oder sagst gleich was für ein Quatsch. Wozu auch, meine Zeit ist mir dafür zu kostbar. Vielleicht ja, vielleicht aber auch nein. Und dieses Nein ist die Essenz der Praxis, die hauptsächlich in den letzten zwei Tagen für mich deutlich wurde.
Es geht um die Qualität des Seins.
Wenn ich diese Qualität mit der Lebenszeit die wir zur Verfügung haben, von der niemand von uns weiß wie lange ein jeder davon hat, in Verbindung stelle, dann sind diese Tage etwas überaus kostbares.

Ich fing also an zu gehen und zu gehen. Das ist nicht gerade viel. Doch was sich so alles dort oben im Kopf zeigt, wenn man nichts anderes tut als monoton von einer Seite einer Halle zur anderen zu gehen, ist unfassbar. So viel Zeug was da oben in der Hütte alles rumgeistert. Und ganz ehrlich, das was da drin rum spuckte, war nicht unbedingt nur schön. Ein großer Haufen Selbstkritik schien fast unüberwindbar.
Es geht bei der Technik nicht darum, die (schlechten) Gedanken beiseite zu schieben oder raus zu werfen. Es geht nur darum sie wahrzunehmen. Und dann nimm mal so einen Müll bewusst war, ohne dich gleich wieder mit irgendetwas im Außen, wie zum Beispiel dem Smartphone, dem Essen, Aufräumen, Fernsehen oder sonstigen Tätigkeiten abzulenken. Das geht nicht, da ist nix weiter als die nächste Bahn, die gegangen werden möchte. Und nicht in einem high-speed Tempo, um schnell weg zu kommen.
Nun ja, auf den Gedanken folgt dann der Gedanke zu dem Gedanken. Macht Sinn, oder.. Zum Glück gibt es da dann noch den Atem. Ein moment der Entspannung und des loslassen bis die nächste Gedankenspule ihre Kreise dreht. Ich sags euch, besser als jeder Krimi.
Nach einer für mich undefinierbaren Zeit wurde es dann ganz von selbst freundlicher, klarer, heller und ja, fröhlicher im ganzen Dasein.

Die Erkenntnis der Auswirkung unseres Denkens auf unser Wohlbefinden ist zeitlos und unbezahlbar.
Wieviel Zeit vergeuden wir ohne überhaupt wahrzunehmen wo wir gerade sind, was um und in uns geschieht. Wir lassen uns von Gedanken überfluten, die im Nachhinein nichts mehr wert sind als eine einzige Müllhalde. Wobei wir auf einer Müllhalde sogar noch das ein oder andere brauchbare Stück finden können. Wie auch in unseren Gedanken, wenn wir die doch Wegweisenden von den  Überflüssigen bewußt auszusortieren können.

So ist der Inner Walk eine Technik wie viele andere Meditationstechniken.
Sie wurde von dem buddhistischen Mönch Pra Orlan entwickelt. Alle Infos dazu findest du auf der INNER WALK Homepage. http://innerwalk.org/

Für mich waren diese Tage ein Schritt auf meinem Weg zum glücklich sein.
Ich habe einige Lasten, die ich aus der Vergangenheit mit mir getragen habe bewußt abgelegt. Ich reise mit leichterem Gepäck weiter. Das ist ein Geschenk!
Ein wunderbares Geschenk das der Moment für mich und jeden der sich dazu entscheidet bereit hält. Wann immer wir möchten.

Ein herzliches Dankeschön an Fluke, der so wunderbar den Rahmen gehalten hat und Impulse während unserer Anfangsrunde gab. Für sein geduldiges und aufmerksames Zuhören bei unserem Sharing Circle zum  Ende des Tages. Ebenso von Herzen Dank an Prah Orlan, der diesen Stil der Vipassana Praxis gegründet hat und uns hin und wieder mit seiner Anwesenheit, seinen Erzählungen und seinem so offenen Lachen bereicherte.
Ein großes Dankeschön an alle Mitreisenden während dieser Tage. Jeder mit sich und doch verbunden..  mit dem großen Ganzen 

2 thoughts

  1. Wow das klingt schon echt spannend.
    Stimmt normalerweise lenkt man sich bei diesen Gedanken ab – und so bleibt man, atmet, geht und das über Stunden. Kann man wohl auch „Gehmeditation“ nennen. Wahrscheinlich würde ich dafür kein Geld ausgeben, mit dem Gedanken, das kann ich doch überall kostenlos tun. Aber tut man es dann auch? Und so lange?

    Liken

    1. Liebe Tanzfeder, danke für deine Gedanken dazu. Es ist eine Gehmeditation. Und es ist auf Spendenbasis. Und ich bin mir sicher, dass ich ohne Anleitung nicht so tief und weit gegangen und gekommen wäre. Die Gruppe trägt einen auch.
      Nach dem heutigen ersten Tag nach dem Inner Walk habe ich Lust auf mehr davon, auf noch mehr Zeit mit mir in Stille. Denn dadurch erlebe ich die restliche Zeit in Gesellschaft intensiver, bewusster und nährender.
      Sei lieb gegrüßt 🙏🏽 🌸

      Gefällt 1 Person

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