Von Tagträumen und Reiselust

Mit 26 Jahren verließ ich mit meiner 3 1/2 jährigen Tochter Ronja Deutschland. Ich wollte meinen Eltern und mir beweisen, dass man auch mit Kindern weite Reisen machen kann. Der kleine Revoluzzer in mir kam da durch. Außerdem hatte ich genug von meiner Heimatstadt. Das Leben erschien mir hier so eingefahren, eingeschränkt und eingeengt. Die Bedenken , was wohl die Nachbarn denken, wenn man anders war, sich anders verhielt oder kleidete, konnten doch nicht alles sein, was diese Welt zu bieten hatte. Und dieses anders -sein war etwas, das ich schon als kleines Kind empfand. Irgendwie drehte sich die Welt schneller als ich denken und handeln konnte. Solange ich meinen Dingen nachhängen konnte, sowas wie malen, basteln, nähen, Löcher in die Luft schauen, war alles in Ordnung. Doch gab es da auch die anderen mit ihren Ansprüchen und Erwartungen. Angezogen im Kindergarten erscheinen, die Hose richtig rum und die Schuhe gebunden. Dem Unterricht folgen und danach wissen, was die Lehrerin erzählt hatte. Da war es aus mit in zeitlose Tagträume verfallen. Na ja, so ganz gelang mir das wohl nie. Doch ich erreichte die Mittlere Reife nach mehreren extra Runden auf der Schulbank und wurde, wie meine Schwester Erzieherin. Was auch sonst. Wenigstens etwas kreatives. Nachdem während dem Anerkennungsjahr mein kleiner Engel geboren wurde, war mir klar, dass mein Leben doch andere Wege nimmt, als es meine Eltern sich noch erhofft hatten. Aber auf all das komme ich bestimmt noch zurück.
Als Ronja und ich Deutschland verließen ging es zuerst für ein halbes Jahr nach Indien. So war es jedenfalls geplant. Meinen Job und unsere Wohnung hatte ich gekündigt, das Auto verkauft und das wenige Hab und Gut bei einer lieben Freundin unterstellen können. Dass meine Eltern von all dem nicht begeistert waren versteht sich wahrscheinlich von selbst. An die vielen schlaflosen Nächte meiner Mutter werde ich noch heute hin und wieder erinnert.
Nach dem halben Jahr Indien ging es dann erstmal nach bella Italia. Was sollte ich auch in Deutschland. Da gab es doch noch so viel Neues und Unbekanntes zu erkunden. 
Nach vier Jahren Indien/Italien wollte meine Tochter in eine „normale“ Schule gehen. Die ersten zwei Schuljahre unterrichtete ich sie bereits während unseren Reisen vorwiegend selbst. Da wir in Italien gemeldet waren, gab es da keine Probleme. 
Wir fanden in einer italienischen Lebensgemeinschaft einen schönen Platz zum wohnen. Das Villaggio Verde liegt mitten im Wald und ermöglichte uns ein Leben inmitten der Natur, mit spirituellem Ansatz und viel innerem Wachstum. Wir verbrachten hier fünf Jahre und ein weiteres in der nahe gelegenen Ortschaft.
Mit 36 Jahren und als Ronja 14 war, beschlossen wir wieder nach Deutschland zurück zu kehren. Ronja hatte die Scuola Media abgeschlossen und war bereit auf´s Gymnasium zu gehen. Sie konnte zwar Deutsch sprechen, aber Schreiben nicht. Nachdem sie in Italien die Fächer Italienisch, Englisch und Französisch belegt hatte wollte sie nicht auch noch Deutsch schreiben lernen. Verständlich! Wir haben ja Zeit! Und ein ganz toller entgegenkommender Rektor traf mit uns die Vereinbarung, dass sie während des ersten Schuljahres für ihre Rechtschreibung nicht benotet werden würde. Nachdem sie in einer der sozial kompetentesten Klassen gelandet war, die ich je erlebt hatte, konnte sie ohne eine Klasse zu wiederholen bis zum Abi durchstarten. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an euch, falls ihr dazu kommt meinen Blog zu lesen.
Die Jahre vergingen, ich schloss Frieden mit meiner Heimatstadt, mit meinem Vater, den ich von ganzem Herzen liebe und bin gerade immer noch hier. 
Nachdem Ronja vor zwei Jahren ihren Master gemacht hatte und jetzt für sich selbst sorgt, ist es für mich Zeit wieder auf Reisen zu gehen.
Nein, es ist nicht nur leicht. Es gibt vieles, was mich hier berührt. Ich habe ein super laufendes Yoga-Business mit ganz lieben Menschen. Ich begleite Familien in Erziehungsangelegenheiten und bin in engem Kontakt mit deren Kindern. 
Meine Familie und meine Freunde liegen mir am Herzen. Aber ich weiß, dass da noch so einiges auf mich warten, dass ich erleben darf.
Seit einigen Monaten beschäftige ich mich mit den Vorbereitungen. Und alle meine Visionen und Vorhaben laufen. Es ist so, als soll alles genau so sein.
Meine Reise wird eine Reise zu mir. Ich möchte Begegnungen, die mich wachsen lassen, die mich in eine noch tiefere Verbundenheit mit mir selbst und dem Leben bringen. 
Und wenn du möchtest, dann begleite mich ein Stück auf meinem Weg.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s