Sabbatical

Start: August 2019

Und das wunderbare daran ist, dass ich noch keine Ahnung habe, wohin die Reise geht.

Genau das gibt mir das Gefühl und Empfinden von Freiheit und Leichtigkeit. Für mich persönlich hat das nichts mit Mut zu tun, weil ich dabei zuhause bin. Ganz verbunden mit mir selbst und dem Leben. Wenn ich den Menschen davon erzähle, bekomme ich oft zu hören wie mutig ich doch bin. Glaub mir, dem ist nicht so. Wir Menschen sind in mancher Hinsicht dann doch unterschiedlich. Je nach Prägung durch unsere Kindheit und was noch so alles Einfluss auf unser Sein hat. Es wäre für mich viel schwerer ein beständiges, bürgerliches Leben zu leben.

Ich lasse mich treiben, lasse los und werde irgendwo dort draußen, in der großen weiten Welt meine Kreise ziehen.

Vertrauend ist das Wissen, dass wir alle in irgendeiner Form mit einem ähnlichen Gefühlsleben durch unser Leben gehen. Freude und Angst, Liebe und Leid sind menschlich. Wir dürfen uns begegnen und in dieser Begegnung Lernen und Wachsen.

.. and so it starts..

Mein Weg zum Yoga

Wenn ich mich zurück erinnere zeigten sich schon in meiner frühen Kindheit Tendenzen irgendwann einmal eine Yogini zu werden. Oder vielleicht war ich das sowieso schon immer. Wenn meine Erinnerung in das Leben vor diesem und das vor dem Vorherigen und noch weiter reichen würde, könnte ich jetzt bestimmt präzisere Angaben dazu machen. Aber belassen wir es mal bei meinen für mich nachweisbaren Erinnerungen.

Im Grundschulalter war ich sehr muskulös und bat meine Schwester sich auf meinen Bauch zu stellen. Das tat sie auch gerne. Ich konzentrierte mich dabei ganz auf meinen Atem. Danach schwang ich meine Beine hinter den Kopf und lag glückselig in Yoga Nidrasana – die Schlafstellung des Yogi.

Mit siebzehn las ich Siddhartha von Hermann Hesse. Es kam mir vor, als tauche ich in eine mir vertraute und bekannte Welt ein. Daraufhin meldete ich mich zu meinem ersten Yogakurs an der Volkshochschule an. Ich war die jüngste Teilnehmerin und meine Lehrerin freute sich über meine Beweglichkeit und Hingabe. Und ich freute mich, etwas für mich gefunden zu haben, wo ich so ganz mit mir sein konnte.

Mein erstes Yogabuch war „Yoga für alle Lebensstufen“ vom Sivananda Yoga Zentrum. Ich übte regelmäßig und mit Begeisterung. Als meine Tochter geboren war übte ich weiter in ihrem Beisein. Sie krabbelte unter mir durch und über mich drüber. Auf meinen Füßen ließ ich sie wie im Acro-Yoga fliegen. Während Savasana, der Tiefenentspannung, spielte sie ruhig. Nach einer Weile kannte sie die Abläufe meines Übens. Als ich nach der Endentspannung meine Augen öffnete, sass sie mir im Schneidersitz gegenüber. Ihre Hände in Gebetshaltung vor dem Herzen haltend und mit einer Verneigung mir zugewandt. Da war sie knappe drei Jahre alt.

Kurze Zeit später reisten wir nach Indien. Eine neue Welt mit fremden Sinneswahrnehmungen eröffnete sich uns. Wir reisten zum Himalaya Gebirge, nach Rishikesh, Varanasi und Rajastan. Verbrachten viel Zeit in Goa und Karnataka.

Wir lebten mehrere Monate an heiligen Plätzen. So besuchten wir Bodhgaya, den Platz, an dem Siddhartha Gautama seine Erleuchtung fand. Wir wohnten in verschiedenen Ashrams, saßen mit buddhistischen Mönchen auf dem Steinboden und aßen für eine Woche morgens und abends nichts anderes als Dahl (Linsen) mit Reis.

Bei Sathya Sai Baba, einem reinkarnierten Meister, standen wir über mehrere Monate jeden morgen um fünf Uhr in der Schlange, um zu seinem Darshan (Zusammentreffen) zu kommen. Dort meditierte ich und Ronja schlief auf meinem Schoss oder tat es mir nach. Wir sangen Bhajans (religiöse Volkslieder) und feierten die hinduistischen Festlichkeiten mit.

Yoga gab es überall.

In Indien machte ich die Ausbildung zum Reiki-Master. Das lief dort nicht so wie hier bei uns im Westen. Meine damaligen Lehrer boten all ihre Einweihungen auf Spendenbasis an. Das war für mich mit kleinem Geldbeutel von großem Vorteil und für mein weiteres Handeln eine bedeutsame Lehre.

Ich erlernte verschiedene Massagetechniken, das Kochen auf dem Feuer und wie man im Dschungel auf die Toilette geht. Aber dazu an anderer Stelle mehr..

Von Tagträumen und Reiselust

Arambol, Goa, India 1996

Mit 26 Jahren verließ ich mit meiner 3 1/2 jährigen Tochter Ronja Deutschland. Ich wollte meinen Eltern und mir beweisen, dass man auch mit Kindern weite Reisen machen kann. Der kleine Revoluzzer in mir kam da durch. Außerdem hatte ich genug von meiner Heimatstadt. Das Leben erschien mir hier so eingefahren, eingeschränkt und eingeengt. Die Bedenken , was wohl die Nachbarn denken, wenn man anders war, sich anders verhielt oder kleidete, konnten doch nicht alles sein, was diese Welt zu bieten hatte. Und dieses anders -sein war etwas, das ich schon als kleines Kind empfand. Irgendwie drehte sich die Welt schneller als ich denken und handeln konnte. Solange ich meinen Dingen nachhängen konnte, sowas wie malen, basteln, nähen, Löcher in die Luft schauen, war alles in Ordnung. Doch gab es da auch die anderen mit ihren Ansprüchen und Erwartungen. Angezogen im Kindergarten erscheinen, die Hose richtig rum und die Schuhe gebunden. Dem Unterricht folgen und danach wissen, was die Lehrerin erzählt hatte. Da war es aus mit in zeitlose Tagträume verfallen. Na ja, so ganz gelang mir das wohl nie. Doch ich erreichte die Mittlere Reife nach mehreren extra Runden auf der Schulbank und wurde, wie meine Schwester Erzieherin. Was auch sonst. Wenigstens etwas kreatives. Nachdem während dem Anerkennungsjahr mein kleiner Engel geboren wurde, war mir klar, dass mein Leben doch andere Wege nimmt, als es meine Eltern sich noch erhofft hatten. Aber auf all das komme ich bestimmt noch zurück.

Als Ronja und ich Deutschland verließen ging es zuerst für ein halbes Jahr nach Indien. So war es jedenfalls geplant. Meinen Job und unsere Wohnung hatte ich gekündigt, das Auto verkauft und das wenige Hab und Gut bei einer lieben Freundin unterstellen können. Dass meine Eltern von all dem nicht begeistert waren versteht sich wahrscheinlich von selbst. An die vielen schlaflosen Nächte meiner Mutter werde ich noch heute hin und wieder erinnert.

Nach dem halben Jahr Indien ging es dann erstmal nach bella Italia. Was sollte ich auch in Deutschland. Da gab es doch noch so viel Neues und Unbekanntes zu erkunden.

Nach vier Jahren Indien/Italien wollte meine Tochter in eine „normale“ Schule gehen. Die ersten zwei Schuljahre unterrichtete ich sie bereits während unseren Reisen vorwiegend selbst. Da wir in Italien gemeldet waren, gab es da keine Probleme.

Wir fanden in einer italienischen Lebensgemeinschaft einen schönen Platz zum wohnen. Das Villaggio Verde liegt mitten im Wald und ermöglichte uns ein Leben inmitten der Natur, mit spirituellem Ansatz und viel innerem Wachstum. Wir verbrachten hier fünf Jahre und ein weiteres in der nahe gelegenen Ortschaft.

Mit 36 Jahren und als Ronja 14 war, beschlossen wir wieder nach Deutschland zurück zu kehren. Ronja hatte die Scuola Media abgeschlossen und war bereit auf´s Gymnasium zu gehen. Sie konnte zwar Deutsch sprechen, aber Schreiben nicht. Nachdem sie in Italien die Fächer Italienisch, Englisch und Französisch belegt hatte wollte sie nicht auch noch Deutsch schreiben lernen. Verständlich! Wir haben ja Zeit! Und ein ganz toller entgegenkommender Rektor traf mit uns die Vereinbarung, dass sie während des ersten Schuljahres für ihre Rechtschreibung nicht benotet werden würde. Nachdem sie in einer der sozial kompetentesten Klassen gelandet war, die ich je erlebt hatte, konnte sie ohne eine Klasse zu wiederholen bis zum Abi durchstarten. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an euch, falls ihr dazu kommt meinen Blog zu lesen.

Die Jahre vergingen, ich schloss Frieden mit meiner Heimatstadt, mit meinem Vater, den ich von ganzem Herzen liebe und bin gerade immer noch hier.

Nachdem Ronja vor zwei Jahren ihren Master gemacht hatte und jetzt für sich selbst sorgt, ist es für mich Zeit wieder auf Reisen zu gehen.

Nein, es ist nicht nur leicht. Es gibt vieles, was mich hier berührt. Ich habe ein super laufendes Yoga-Business mit ganz lieben Menschen. Ich begleite Familien in Erziehungsangelegenheiten und bin in engem Kontakt mit deren Kindern.

Meine Familie und meine Freunde liegen mir am Herzen. Aber ich weiß, dass da noch so einiges auf mich warten, dass ich erleben darf.

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich mit den Vorbereitungen. Und alle meine Visionen und Vorhaben laufen. Es ist so, als soll alles genau so sein.

Meine Reise wird eine Reise zu mir. Ich möchte Begegnungen, die mich wachsen lassen, die mich in eine noch tiefere Verbundenheit mit mir selbst und dem Leben bringen.

Und wenn du möchtest, dann begleite mich ein Stück auf meinem Weg.

Kasol, Himachal Pradesh, India 1996
Himachal Pradesh, India 1996
My daughter with friends, Pushkar, Rajasthan, India 1996
Assi ghat, Varanasi, India 1997
My daughter with her friend Rishi, Varanasi, Uttar Pradesh, India 1997
Women preparing cowshit floor in the restaurant, Kudle Beach, Gokarna, Karnataka, India 1997
Himachal Pradesh, India, 1998 Streetworker
Himachal Pradesh, India, 1998 Streetworker
My Italien travel and life partner for a couple of years. He teached me how to travel safe and healthy in India.
Bombay guest house, Rishikesh, India 1998
Greg’s homepage: https://www.anamyogaotres.com/

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